mobilmachung
liebe reformhauszeitschriftautor_innen, bitte passt doch das niveau und die formulierung der kreuzworträtselaufgaben an das eurer durchschnittlichen leser_innenschaft an, damit sie nicht unbedarfte mitreisende - wie, sagen wir mal… mich - um hilfe bei der lösung der aufgaben bitten (müssen), und somit deren meditative ignoranzhaltung stören, ohne welche s-bahnfahren in der provinz nicht möglich bzw unerträglich ist.
ja, gestern bin ich insgesamt 5½ stunden mit der bahn unterwegs gewesen, wahlweise EC, RE, RB oder S-bahn, und anhand der dadurch verlorenen nerven durch standardmäßig halbstündige verspätung(»Die Bahn kommt.« vielleicht. früher oder später), überfüllte züge, uringestank und einzelne herumliegende stücke der deckenverkleidung, müsste mensch meinen, ich hätte a) kostenlos fahren dürfen müssen oder wenigstens b) mich am abend woanders befinden sollen als am morgen. nix da. allerdings macht es einen unangenehmen ort auch wesentlich angenehmer, wenn die gewissheit, da in wenigen stunden wieder wegzukommen, irgendwo im hinterkopf herumhängt.
und, by the way, hat sich denn wirklich noch keine_r über den slogan der DB gewundert, bzw sich gefragt was er bedeuten soll?
die Bahn macht mobil
(natürlich ließe sich auch bspw über “unsere züge schonen die umwelt, unsere preise ihren geldbeutel” philosophieren - hat da wer in der bahn-außenwerbung-abteilung tatsächlich einen hauch von sarkasmus angewendet, oder ist es jene propagandistische verdrehung, die in krisensituationen um sich greift?)
die mobilmachung der bahn also.
die bahn verfügt über ein ausgebautes, wenn auch unzuverlässiges netz von konzerneigenen kommunikationswegen und infrastruktur.
die bahn hat in jedem kacknest einen stützpunkt.
die bahn hat ziemlich viele transportmittel, und so einige leute sind auf sie angewiesen oder stehen auf ihren gehaltslisten.
bahnmitarbeiter_innen nutzen immer die neueste technik zur kommunikation untereinander und nach außen, bspw funkgeräte, und vereinzelt wurden sogar schon mobiles gesichtet. sie haben auch diese elektronischen tragbaren fahrkartenautomaten, die nebenbei noch die gehirnströme und gedanken aller sich im umkreis von 10 metern befindlichen personen auslesen können.
die bahn hat eine eigene (paramilitärische?) security-einheit, die im verhältnis 1:1 bzw nachts sogar 2:1 mit den kontrolleur_innen patroulliert.
die bahn hält sich viele freiräume innerhalb der personenzüge, defekte klos und gesperrte waggons, deren fracht der außenstehenden unzugänglich bleibt (die machen da auch immer das licht aus, damit keine_r reinschauen kann)
die bahn erhöht ständig die fahrpreise, und keine_r weiß, was die mit all dem geld machen (vielleicht machen die doch nicht so ne unglaubliche misswirtschaft wie bisher angenommen).
die bahn hat auffangoragnisationen, zahlt abfindungen und hat möglicherweise sogar betriebsferienlager.
die bahn nutzt zivilist_innen als deckungsmasse für ihre operationen.
einmal angenommen, die bahn mobilisiert tatsächlich ihre kräfte und verkündet dies auch öffentlich, wogegen mobilisiert sie eigentlich? gegen die konkurrenz im schienenverkehrswesen? gegen die autoindustrie oder fluggesellschaften? und warum wird sie nicht endlich mal fertig, sie mobilisiert doch schon seit ein oder zwei jahren? noch dazu ist die bahn keine staatliche organisation, fühlt sich denn da keine_r von dieser offensichtlichen drohung … nun ja … bedroht? einen angriff auf das staatliche gewaltmonopol? und gerade ihre verankerung in der bevölkerung - jedenfalls der teil, den sie bezahlt - und ihre etablierte position macht sie so gefährlich. wie das ausgeht, ist ja bekannt. mark my words.
EDIT: natürlich ist es leuten aufgefallen: